Sonja 1/31 - Sexueller Missbrauch - Probesitzung - Zusammenfassung

Die Klientin möchte ihr inneres Kind wieder zum Leben erwecken. Dazu setzt sie sich als erstes mit dem sexuellen Missbrauch durch ihren Cousin auseinander. Der durch ihn repräsentierte innere abgespaltene Schattenanteil wird im ersten Schritt mit dem Schlagstock „bearbeitet“ und dann eingekerkert. Doch an der zugemauerten Stelle rumort es noch ... Weitere Innenweltarbeit ist notwendig, um die gesamte Thematik aufzulösen.


Monika gelangt durch eine Holztür in eine dunkle Höhle aus Sandstein. Der Boden ist dreckig, aber stabil und fest. Sie hat Angst. Die Botschaft der Höhle lautet: „Die kleine Monika wieder zum Leben erwecken.“
Die Kleine liegt auf dem Boden mit leblosen Gesicht und kann sich nicht bewegen. Sie hat Fliegen um den Mund. Monika ist traurig darüber.
Sie geht in Kontakt mit der Kleinen. „Ich möchte gerne, dass du wieder lebendig wirst. Ich möchte für die sorgen.“ Die Kleine kann dem keinen Glauben schenken. Sie sagt, dass Monika ihr das schon versprochen und nicht eingehalten hat.
Monika erzählt von einer Situation im Urlaub vor 6 Jahren, wo sie bei einem Spaziergang das Bild der Kleinen, die da in dieser Höhle stirbt, sieht. Seit der Zeit hat sich Monika dieses Bild immer wieder gezeigt.
Monika entschuldigt sich bei der Kleinen: „Ich möchte für dich da sein, aber ich kann es nicht so, wie ich es gerne möchte. Freust du dich, dass ich da bin? Ich hab gedacht du wärst wütend auf mich.“ Die Kleine ist aber nicht wütend. Auf die Frage, was ihr passiert ist, krümmt sie sich auf dem Boden. Sie will damit zeigen, dass ihr wehgetan wurde.
Die Kleine setzt sich an den Höhlenrand und schaut hinaus. Sie zeigt damit, dass sie nicht bereit ist sich mit der schmerzlichen Situation auseinander zu setzen.
Der Therapeut rät Monika erst mal näher in Kontakt mit ihr zu gehen und Vertrauen aufzubauen. Die Kleine sagt zu Monika: „Du kannst doch Kinder nicht ausstehen.“ Monika antwortet ehrlich, dass sie sie tatsächlich nicht mag, weil sie ihr Scherereien macht und sie nichts mit ihr anfangen kann.
Monika geht mit ihrem Bewusstsein in die Kleine und spürt deren Alleinsein.
Daraufhin taucht ein Bild von der kleinen Monika auf dem Schulweg auf, wo sie so alleine ist. Monika nimmt sie ganz in sich gekehrt und verschlossen wahr. Sie wirkt resigniert.
Monika ist sich nicht sicher, dem Mädchen wirklich helfen zu wollen: „Ich hab auch Wiederstände auf dich zuzugehen. Einerseits möchte ich es schon. Aber auf so ein bockiges Balg habe ich keine Lust.“
Sie zeigt der Kleinen, wo sie ihr Scherereien gemacht hat. „Du bist immer so schnell wütend, ungeduldig und aggressiv.“
Monika lehnt ihr inneres Kind ab, weil sie es als schwierig und anstrengend empfindet. Das drückt sich in dem Bild aus, dass die Kleine im Eingangsbild wie tot da liegt. Dieser Teil partizipiert nicht richtig am Leben.
Es gilt nun herauszufinden, wie diese Haltung entstanden ist. Wo diese tiefe Entzweiung stattgefunden hat.
In diesem Zusammenhang taucht Monikas Mutter auf, die zur Kleinen gesagt hat: „Mit dem Gesicht kann man sich nur verstecken.“ Die Kleine reagiert wütend.
Monika steht auf Seiten ihrer Mutter.
Der Therapeut schlägt vor die Situation aufzurufen, die zu dieser Haltung beigetragen hat, dass Monika ihr inneres Kind so ablehnt.
Monika befindet sich daraufhin im Flur vor ihrem Kinderzimmer: „Da hab ich immer Angst gehabt, dass der Wolf kommt.“ Sie ist ca. 5/6 Jahre alt.
Sie geht als Beobachter dazu. Die Kleine liegt sehr ängstlich im Bett. Der Wolf lauert draußen und schlüpft dann ins Bett. Sie kämpft und schlägt erst wild um sich. Dann wird sie starr und still und bewegt sich nicht mehr. „Alles ist stocksteif.“ Sie hat ihren Körper verlassen und schwebt über der Szene.
Monika schwebt auch als Beobachter über dem Bett. „Der Wolf sitzt über ihr und saugt ihr die Lebensenergie aus.“ Die Kleine sagt, dass ihr das öfters passiert. Sie kennt den Wolf. Es ist ihr Cousin Michael, der ca. 17/18 Jahre alt ist.
Monika (wirkt sehr abwesend und emotionslos): „Das hätte er nicht tun sollen.“
Sie geht als Grosse mit ihrem Cousin in Kontakt: „Du siehst so komisch aus – wie so ein Käfer.“ Er nimmt Monika nicht richtig wahr und saugt weiter.
Monika bearbeitet das Bild des Cousins mit dem Dhyando. „Hör auf!“ Er reagiert daraufhin. Monika: „Du darfst die Monika nicht aussaugen. Die kann sich nicht mehr bewegen. Und heute hab ich immer noch soviel Angst. Ich möchte gerne ein schönes Leben führen...Er saugt immer noch.“ Monika schlägt weiter: „Ich würde dich gerne auseinandernehmen. Ich reiss dir deine Flügel aus. Und deine Gliedmassen.“ Sie bearbeitet ihn mit den Händen.
Der Therapeut ruft die kleine Monika mit hinzu, die jetzt erleben kann, wie Monika das Insekt auseinander nimmt. „Ich bekomme ihn nicht richtig klein.“
Die Kleine hat ganz tief in sich resigniert. Eine Haltung von: ich bin zu klein, ich schaffe das nicht. Sie schwebt immer noch oben über dem Bett. „Hast du Lust runter zu kommen und mitzuhelfen?“ Sie hat noch Angst. Die Hülle vom Insekt ist jetzt wie von einer Spinne eingesponnen, es kann sich nicht mehr bewegen. Monika legt diese Hülle neben das Bett . Sie steht auf, trampelt auf den Resten herum und verbrennt sie zudem. „Das tut gut, dass du verbrennst.“
Monika fragt die Kleine: „Willst du wieder kommen?“ Sie liegt auf dem Bett und bewegt sich wieder. Sie lächelt liebevoll. „Ist es O.K., wenn ich dir auf diese Weise helfe?“ Die Kleine ist einverstanden und lächelt selig. Monika empfindet das als sehr schön und sagt der Kleinen, dass sie sie so annehmen kann.
Die Höhle im Eingangsbild ist jetzt grösser und heller. Sie ist leer. Die Kleine läuft in der Höhle herum und ist stolz: „Kuck mal das ist meine Höhle.“
Der Therapeut schlägt vor den Cousin Michael in die Höhle zu rufen. Monika steht zusammen mit der Kleinen aufrecht am Ende der Höhle, der Cousin steht am Eingang. Monika konfrontiert Michael. „Weißt du was eben gelaufen ist?“ Er schaut niedergeschlagen aus. „Hast du verstanden was du gemacht hast?“ Die Tragweite war ihm nicht bewusst. „Kannst du das jetzt sehen?“ Er schaut verhalten die Kleine an.
Der Therapeut rät , dass die Kleine dem Cousin erzählen soll, wie es ihr gegangen ist. „Ich habe jede Nacht Angst gehabt ins Bett zu gehen, dass der Wolf kommt. Ich habe dir vertraut; du warst mein Lieblings-Cousin. Ich habe gar nicht verstanden, was da passiert. Ich möchte, dass du das nicht mehr machst.“
Monika kann die Niedergeschlagenheit ihres Cousins nicht richtig spüren. „Du kannst die Tragweite nicht abschätzen.“
Monika erzählt ihrem Cousin mehr von ihrem Leben, wie es ihr ergangen ist. „Oft wollte ich lieber tot sein. Ich hab nicht viele schöne Jahre gehabt. Ich habe mit Männern und meiner Sexualität Schwierigkeiten. Und ich habe immer so viel Angst. Und du bist mit beteiligt, dass es so gewesen ist. Ich möchte, dass du versuchst es zu verstehen.“
Als Zeichen des Verständnisses soll er sich entschuldigen. „Das möchte er nicht.“ Monika: „Das ist mir egal was du denkst, aber ich möchte meinen Frieden haben. Ich will ein schönes Leben leben.“ Was will die Kleine? Die Kleine streckt ihre Hand aus und möchte ihm verzeihen. Sie hat aber noch Angst näher auf den Cousin zu zugehen.
Idealerweise geht es darum zu erreichen, dass sich der Cousin entschuldigt und sagt, dass er das nie mehr macht.
Die kleine Monika spürt den Wunsch, dass ihr Cousin auch ihr verzeiht.
Das deutet eine Schuld bei Monika an, resultierend aus einer tiefen Liebe zu ihrem Cousin. Monika fragt Michael: „Habe ich dich eingeladen. Habe ich etwas falsch gemacht?“ Er schüttelt mit dem Kopf. Monika bekommt dennoch die Botschaft, sie hat ihn eingeladen, weil sie ihn so gern gehabt hat.
Der Therapeut erklärt, dass es für eine 6-Jährige normal ist, den Cousin wie einen großen Bruder zu lieben. Dass er es aber nicht in Ordnung ist, dass er sie missbraucht. Er hat sie ausgenutzt. Der Cousin müsste sich schuldig fühlen und sich entschuldigen. Tatsache ist, dass Monika bis heute Angst hat.
Monika: „Da ist noch eine Abwehrhaltung bei dir. Du willst das nicht anerkennen und die Schuld nicht auf dich nehmen.“
Der Therapeut rät ihn zu fragen, wie es für ihn war. Der Cousin lehnt die Schuld ab. Monika: „Ich kann keine Reue bei dir entdecken. Das ärgert mich. Ich habe dir gesagt wie ich es empfunden habe. Und dass das großen Schaden bei mir angerichtet hat.“ Der Cousin will sich aus der Affäre ziehen. „Er grinst mich frech an.“ Monika möchte ihn aus der Höhle schmeißen.
Dann wäre er zwar verschwunden, die kleine hat aber immer noch Angst, weil er jederzeit wieder kommen könnte.
Monika fragt die Kleine, was sie braucht um keine Angst mehr zu haben.
Sie bekommt das Bild, dass sie den Cousin in eine Kammer einsperrt. Sie nimmt das Dhyando zur Hilfe. „Du bist ganz schön widerspenstig! Das gibt es doch nicht.“
Monika muss stärker sein als er. Sie schlägt. Wichtig ist, dass sie ihn wirklich trifft in all ihrer Wut und Verzweiflung – oder auch Resignation.
Der Cousin macht dennoch was er will. Monika hat ihn nicht im Griff. Er tut noch so als ob er nichts damit zu tun hat, was heißt, Monika will selbst noch nichts damit zu tun haben.
Monika: „Ich würde am liebsten einen Flammenwerfer auf ihn richten.“ Sie kann ihren Cousin aber nicht richtig erwischen und einsperren.
Der Therapeut schlägt vor jetzt deutlich zu machen, dass Monika der Chef in ihrer Innenwelt ist. Sie lässt ihren Cousin Kniebeugen machen. „Du musst machen, was ich will. Geh jetzt da rein! Jetzt könnte ich ausflippen!“
Monika muss die Energie aufwenden und ausdrücken. Sie packt ihren Cousin, krallt ihm ins Gesicht. Er muss merken, dass sie der Chef ist und er machen muss, was sie will. Monika hat ihn jetzt eingesperrt, er streckt immer noch seine Hände heraus und will sie greifen. „Was willst du von mir?... Er will mich aussaugen.“
Das heißt, der Cousin hat den Zusammenhang noch nicht begriffen.
Der Therapeut fasst zusammen, dass dieses Ergebnis – Monika hat ihren Cousin eingesperrt – ein erster Schritt ist. Sie kann nicht alles auf einmal auflösen, aber deutlich erkennen, dass es noch nicht gelöst ist. Dass der Cousin noch an ihr hängt.
Monika holt die Kleine und zeigt ihr, dass der Cousin eingesperrt ist. Diese ist aufgeregt und nimmt wahr, dass er nicht mehr an sie heran kann. Sie fühlt sich noch nicht so ganz sicher.
Monika: „Ich bringe den soweit, dass er dir nie mehr was machen kann. Ich bleibe da dran. Ich nehme dich erst mal in den Arm. Der ist da eingeschlossen.“ Die Kleine ist noch ängstlich, weil der Cousin wieder eklig wird und seine Arme aus dem Gitter herausstreckt.
Monika sägt ihm mit der Motorsäge die Arme ab und zerstört ihm das Gesicht. „Jetzt ist es besser. Er kann nicht mehr so raus.“ Die Kleine möchte nicht zusammen mit ihm in einer Höhle sein.
Monika verspricht ihr: „Jetzt haben wir ihn schon so weit gebracht. Und wir können aus der Höhle rausgehen. Ich komme noch öfters. Dass du keine Angst mehr haben brauchst.“
Monika hat das Vertrauen der Kleinen gewonnen, obwohl sie noch unsicher ist, ob sie es halten kann. „Aber ich glaube, dass ich einen Weg gefunden habe, wie ich dir helfen kann.“
Die Höhle im Eingangsbild ist noch unheimlich und bedrohlich. Es ist immer noch Angst in der Höhle.
Der Therapeut schlägt Monika vor, die Höhle zu fragen, ob sie das Thema für diese Sitzung so stehen lassen kann. Monika mauert daraufhin noch das Loch mit dem Gitter zu.
Sie kann erkennen, dass ihr Cousin einen Schattenanteil repräsentiert, den sie bewusst dort einsperrt. Es ist kein unbewusstes Verdrängen. „An der zugemauerten Stelle rumort es.“
Monika fragt die Höhle und erhält als Antwort, dass das Thema für den Augenblick O.K. ist, aber in den nächsten Tagen weiter bearbeitet werden soll.